| „Hörgeschädigte lesen von den Lippen ab“
.jpg) Simultane Übersetzung: Der Infoabend für hörgeschädigte Menschen wurde in deutscher wie französischer Gebärdensprache übersetzt. Schrift wurde an die Wand projiziert.
Eupen. Menschen mit einer Hörbehinderung sind auf den ersten Blick nicht immer als solche zu erkennen. Im Alltag kann das schon mal zu Missverständnissen führen, wenn die betroffene Person nicht die erwartete Reaktion zeigt: „Nicht alle Hörgeschädigten unterhalten sich stark gestikulierend in der Gebärdensprache. Einige wie ich nutzen ihr Resthörvermögen und können auch reden“, sagte Patrick Piel am Rande einer Informationsveranstaltung für Hörgeschädigte der Dienststelle für Personen mit Behinderung.
„Dieser Infoabend ist eine Reaktion auf die vielen Anfragen von hörgeschädigten Menschen in der DG, sich in ungezungener Atmosphäre zu treffen und zu informieren“, erklärte Christophe Ponkalo, Sozialarbeiter der Dienststelle für Personen mit Behinderung. Und Informationen gab es für die rund 40 anwesenden Hörgeschädigten im Quartum Center eine ganze Menge.
Brigitte Bennert, Gründerin und Präsidentin des Vereins „Télécontact“, erklärte den anwesenden hörenden Gästen, dass hörgeschädigte Menschen sehr stark die visuelle Kommunikation nutzen: „Menschen mit einer Hörbehinderung nutzen ihr Resthörvermögen, ob mit oder ohne Hörgerät. Sind die Menschen sehr stark hörbehindert, so kommunizieren sie anhand der Gebärdensprache. In beiden Fällen ist das Lippenlesen sehr hilfreich.“
Um die Fernkommunikation, die in der Welt der Sprechenden überwiegend auf Telefon basiert, für möglichst viele hörgeschädigte Menschen nutzbar zu machen, setzte sich der Verein „Télécontact“ in der Vergangenheit für das Gerät „Minitel Alto“ ein: „Es ist sehr wichtig, dass hörgeschädigte Menschen Freunde, Firmen oder Rettungspersonal benachrichtigen können“, erklärte Brigitte Bennert. Das System funktioniere auf Basis von Textnachrichten, die mittels Tastatur eingegeben und über einen Bildschirm gelesen werden. Obschon heutzutage viele Menschen ein Faxgerät zuhause oder unterwegs Kurznachrichten (SMS) per Handy zur Kommunikation nutzen, setze sich „Télécontact“ dafür ein, dass Bildtelefone – in der Wallonie „Vidéophone“ genannt – weit verbreitet und vor allem erschwinglich werden: „Dies wäre ein großer Schritt für Hörgeschädigte, da sie dann per Telefon Gebärdensprache nutzen und von den Lippen ablesen könnten“, so die Präsidentin von „Télécontact“. Mit Hilfe der neuen Webseite http://www.telecontact.be/ können sich Interessierte austauschen und auch in deutscher Sprache landesweit Kontakt zu Hörgeschädigten aufnehmen.
Der Lütticher Begleitdienst „Epée“ arbeitet seit dem Jahr 2002 mit der Dienststelle für Personen mit Behinderung zusammen und bietet in deren Räumlichkeiten im Eupen Plaza (Ebene 3, direkt rechts hinter dem Eingang vom Parkhaus aus kommend) Beratungsmöglichkeiten an: „Wir liefern Übersetzungen in Gebärdensprache bei Arztbesuchen, bieten Kochkurse, das Bedienen von Handys an oder informieren etwa in Rechtsfragen“, umriss Direktorin Frédérique Theunissen das weite Spektrum von „Epée“ (Infos unter Tel. 0498 539023, E-Mail epee@swing.be).
Sandra Meyer arbeitet im Integrationsfachdienst des Hörgeschädigten Zentrums (HGZ) in Aachen. Sie stellte die Angebote des HGZ vor. Demnach berät das HGZ (Infos unter www.hgz-aachen.de, Tel. 0049 241 159545, Fax 0049 241 911634) hörgeschädigte Menschen bei der Auswahl und Verwendung von technischen Hilfsmitteln, bei der Suche bzw. Eignung für Ausbildungs- und Arbeitsplätze, gibt Hilfe bei der Bewerbung oder vermittelt bei Ämtern und Behörden. „Wir bieten aber auch eine Schule für hörgeschädigte Kinder, einen monatlichen Frühstückstreff, ein Kommunikationsforum zu aktuellen Themen wie zuletzt zum ´Islam´, einen Chor in Gebärdensprache oder einen Treffpunkt für Hörende und Gehörlose an“, erklärte Sandra Meyer.
Die Informationsveranstaltung wurde vollständig in deutscher sowie französischer Sprache abgehalten. Hierzu wurde die gesprochene Sprache ebenso genutzt wie die Projektion der Mitschriften auf Leinwand und eine Simultanübersetzung in beide Gebärdensprachen.
Angebote in der DG:
Die Dienststelle für Personen mit Behinderung greift bei Bedarf auf Kooperationsangebote von spezialisierten Dienstleistern in der Wallonie wie auch in der Bundesrepublik zurück. Die Dienststelle berät und begleitet betroffene Menschen sowie ihre Angehörigen: „Hierzu gehört beispielsweise eine Kostenbeteiligung bei der Anschaffung von Hilfsmitteln wie Telefaxgeräten, Telefonverstärkern oder etwa Lichtsignalgeräten wie Wecker“, erklärte die Ergotherapeutin der Dienststelle, Iris Malmendier. Auch eine fachliche Begleitung durch den Start-Service sowie finanzielle Unterstützung bei Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen als auch eine Kostenbeteiligung für Einsätze von Gebärdensprachdolmetschern wie beispielsweise bei erforderlichen Arztbesuchen oder Behördengängen gehören zum Dienstleistungsangebot der Dienststelle.
Hörgeschädigte Menschen sind meist in der Lage, in einem Betrieb auf dem freien Markt zu arbeiten. Dies geschieht bei Bedarf durch eine Begleitung seitens der Dienststelle (Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Betrieb, Beteiligung an einer möglicherweise notwendigen Arbeitsplatzanpassung, Einarbeitung der hörgeschädigten Person und ihrer Kollegen durch Arbeitsplatzassistenten, ...) oder anderen spezialisierten Diensten. Hörgeschädigte Menschen wohnen selbstständig. Sie benötigen in individuellen Fällen eine punktuelle Begleitung bzw. Unterstützung durch die Dienststelle.
Mehr Informationen gibt es bei der Dienststelle unter Tel. 080 / 229111, Fax 080 / 229098 oder per E-Mail an aida@dpb.be |